Besondere Dienstleistungen NRW

Falsche Berechnungen des Urlaubszusatzentgelts bestätigt

Wach- und Sicherheitsgewerbe NRW

Falsche Berechnungen des Urlaubszusatzentgelts bestätigt

Aviation, Luftsicherheit, Tarifverhandlungen, Tarifstreit, Verhandlungen, Besondere Dienste NRW, Foto: ver.di NRW / FB 13 Fehlerhafte tarifvertragliche Urlaubsentgeltberechnungen

Falsche Berechnungen des Urlaubszusatzentgelts

31.10.2019 | Düsseldorf - Nachdem wir gemeinsam mit unseren Betriebsratsmitgliedern vom Flughafen Düsseldorf am 16.10.2019 in einer Gesprächsrunde den Kötter-Vertretern die fehlerhaften tarifvertraglichen Urlaubsentgeltberechnungen erläutert haben, musste der Sicherheitsdienstleister Kötter nun die Berechnungsfehler beim Urlaubszusatzentgelt tatsächlich eingestehen. Offensichtlich sind alle Beschäftigten betroffen. Mehrarbeitsstunden wurden bei der Berechnung zum Urlaubsentgelt ignoriert!

Obwohl die tarifvertragliche Regelung zum Urlaubsentgelt eindeutig die Mehrarbeitsstunden bei der Urlaubs-entgeltberechnung vorschreibt, hat Kötter diese bei den Abrechnungen ignoriert. Die Kötter-Lohnabrechnungen sind seit Jahren so gestaltet, dass die Beschäftigten das Urlaubszusatzentgelt nicht nachrechnen bzw. auch nicht nachvollziehen konnten. Erst aufgrund vieler Mitglieder-Nachfragen haben wir mit unseren Betriebsräten am Flughafen Düsseldorf stichprobenartig einige Lohnabrechnungen überprüft und festgestellt, dass diese fehlerhaft sind. Nicht nur bei Beschäftigten der Fluggastkontrolle, sondern auch bei den Beschäftigten im Frachtzentrum bei UPS am Flughafen Köln/ Bonn sind die Berechnungen falsch.

Bei den Luftsicherheitskontrollkräften gemäß § 9 LuftSiG wurde sogar neben den Mehrarbeitsstunden auch die Tätigkeitszulage in Höhe von 3,30 € pro Stunde nicht mitberechnet. Ob auch bei den Terminalleitern (Fluggastkontrolle) die Tarifzulage (1,50 €) oder für Mischkontrolltätigkeiten die Lusi-PWK-Zulage (1,80 €) ignoriert wurden, ist unklar und wird geprüft.

Tarifvertragsbruch seit 01. Januar 2015

Die tarifvertragliche Urlaubsentgeltregelung gilt seit dem 01. Januar 2015 an allen Flughäfen. Kötter hat als Mitglied des Arbeitgeberverbandes federführend bei den Verhandlungen und beim Abschluss des Bundesmanteltarifvertrages Aviation mitgewirkt. Der Tarifvertrag ist demnach den Kötter-Verantwortlichen bestens bekannt. Wir gehen davon aus, dass der Tarifvertrag bei der Berechnung des Urlaubsentgelts seit dem 01. Januar 2015 fehlerhaft angewandt wurde. Offenbar sind auch deshalb die Sicherheitskräfte von den falschen Berechnungen betroffen, die noch bis Ende Januar 2018 für Kötter am Flughafen Köln/Bonn im Bereich der Personal- und Warenkontrolle beschäftigt waren. Kötter hatte in diesem Bereich aufgrund von Ungereimtheiten bei Schulungszertifikaten den Auftrag verloren.

Kötter-Führung bestätigt die unvollständigen Urlaubsentgeltberechnungen!

Nach dem Gesprächstermin Mitte Oktober 2019 hat der Kötter-Personalleiter wie vereinbart, am Wochenende (25.10) in einer E-Mail an den Betriebsrat am Flughafen Düsseldorf bestätigt, dass der Arbeitgeber unsere Berechnungen zum Urlaubszusatzentgelt nachvollzogen hat und vorbehaltlich der abschließenden Bewertung davon ausgeht, dass es zu Korrekturen der bereits erfolgten Abrechnungen kommen wird. Aufgrund der Komplexität der rückwirkenden Berechnungen sowie der Vielzahl der hierfür in Betracht kommenden Beschäftigten, benötigt Kötter etwas mehr Zeit. Der Arbeitgeber hat in der gleichen E-Mail versichert, dass die Bearbeitungen/Prüfungen hierzu im Gange wären und so schnell als möglich abgeschlossen werden. Wir haben gemeinsam mit unseren BR-Mitgliedern in dem Gesprächstermin, aber auch auf den Betriebsversammlungen, dem Arbeitgeber deutlich gemacht, dass der bei unseren Mitgliedern entstandene finanzielle Schaden dringend korrigiert werden muss.

Die Korrektur muss ohne Wenn und Aber rückwirkend ab dem 01. Januar 2015 erfolgen. Laut Kötter-Geschäftsführer obliegt die letzte Entscheidung dem Kötter-Verwaltungsrat.

Die im Tarifvertrag festgeschriebenen Regelungen gelten gemäß § 3 Abs. 1 in Verbindung mit § 4 Tarifvertragsgesetz unmittelbar und zwingend zugunsten der Beschäftigten, wenn sie ver.di-Mitglied sind und der Arbeitgeber im Arbeitgeberverband (BDLS) ist. In diesem Fall der beiderseitigen Tarifbindung gilt der Tarifvertrag wie ein Gesetz, d. h. eine Abweichung zu Ungunsten des ver.di-Mitglieds ist rechtlich unzulässig. Die Beschäftigten brauchen auch aktuell ihre Ansprüche nicht geltend machen. Wir werden euch nach abschließender Entscheidung des Arbeitgebers über die Rückzahlungen des Urlaubsentgelts informieren.

V.i.S.d.P.: Özay Tarim, Gewerkschaftssekretär, ver.di-NRW, Karlstraße 123-127 in 40210 Düsseldorf.